Oberhornsee


20. – 21.8.2011
Bergwanderung im grössten Naturschutzgebiet der Schweiz: UNESCO Welterbe Jungfrau-Aletsch-Bietschhorn Gebiet
Lauterbrunnental – Oberhornsee – Rotstockhütte – Mürren

  • Wägital Winter 2008


Etwas vor 10.00 treffen wir mit dem Postauto in Stechelberg ein. Wir befinden uns im engen Lauterbrunnen Trogtal.
Stechelberg liegt noch ganz im Schatten. Wir wandern zuerst auf einem kleinen Strässchen, dann auf einem Weg ins kühle grüne Tal hinein immer mit Sicht auf die Schneeberge, die uns auf unserer Wanderung immer begleiten werden. Im Talgrund findet sich hin und wieder ein Heimetli, ein kleines Bauernhaus. Dann taucht auch schon die Gastwirtschaft Trachsellauenen auf. Wir sind die ersten Gäste in der Gartenwirtschaft. Die einen stärken sich mit einem Milchshake, die anderen mit einem Kaffee für die weitere Wanderung.

Das Tal, das wir durchwandern ist lieblich und wild zugleich. Das Rauschen der Tschingel Lütschine begleitet uns auf unserem Weg hinauf durch Waldpartien und offene Weiden. Er gibt den Blick frei auf die Schmadriwasserfälle am rechten Talhang. Der Talausgang wird beherrscht von der mächtigen Jungfrau 4158m, die wohl in unzähligen Versionen in Fotos festgehalten wird.
Ein richtiges Ferienbild gelingt mir auf dem Schirboden 1379m: bei dieser Alpwirtschaft trifft unsere kleine Gruppe auf eine grössere Wanderguppe, (evt. Ein Jodlerchor) die einige Lieder zum besten gibt.
Leider fehlt die Tonaufnahme zum Bild mit der Alphütte, dem Brunnen, den Wasserfällen und der Jungfrau im Hintergrund!
Wir steigen weiter hinauf durch den Wald zur Wilde Egg 1560m. Hier machen wir einen kurzen Trinkhalt und bestaunen die grossartige Aussicht auf die Schmadribach Wasserfälle und die Felsbastionen des Mittags- und Grosshorns. Es geht dann das erste Mal durch den Bergwald hinunter und wir gelangen auf die grüne Hochebene des Landschaft Abschnittes “ Im Tal“ 1530m. Hier weiden die Kühe im Frühsommer, bevor sie weiter hinauf auf die Oberhornalp steigen.

Das „Tal“ ist wunderschön gelegen und strahlt eine grosse Ruhe aus.
Die Alphütte liegt an der rauschenden Tschingel Lütschine. Die steilen Hänge des Tschingelgrates schliessen das Tal ab. Laut der Broschüre über das Lauterbrunnental ist diese Landschaft ein sog. Ort der Kraft, was ich gut nachvollziehen kann. Hier würde ich ganz gerne länger verweilen.
Aber es muss weitergehen! Es reicht mir noch, den ersten Schwalbenwurz Enzian des Tages zu fotographieren !
Der Pfad zum Felsriegel, der das Tal abschliesst, führt der Lütschine entlang und ist wunderschön. Wir sehen einen Wasserfall, der sich durch eine Felswand hinunter ergiesst. Dies muss die Tschingel Lütschine sein! Dahinter erblicken wir den Tschingelspitz und den Tschingelgrat. Diesen Felswänden werden wir bald näherkommen: es geht nun über teilweise hohe Stufen steil hinauf auf die Anhöhe von Schaflägern 1800m.
Ein Trinkhalt ist angesagt, es ist heiss und es ist Mittagszeit. Von hier aus erblicken wir hinten im Talgrund das Gspaltenhorn 3437m. Nach 50 Minuten stehe ich endlich vor dem Wegweiser Oberhornsee 2056m, aber kein Wasser ist zu sehen. Wo liegt denn dieser See? Doch dann erblicke ich etwas weiter unten Leute auf Steinen sitzen. Sie lagern am See, der zu einem klaren Tümpel verkommen ist.
Aber gerne lasse ich mich auf einem Stein am Ufer nieder. Hier halten wir nun eine lange Rast, es ist eine verspätete Mittagspause. Wir befinden uns in einer grossartigen Landschaft. Wir sind umgeben von Jungfrau, Aebeni Flue, Mittagshorn, Großhorn, Breithorn,Tschingelhorn und Gspaltenhorn, Tschingelspitz und Tschingelgrat, eine wahrhaft prächtige und erhabene Aussicht. Der Oberhornsee liegt in einer Mulde fast wie in einem Krater. Von dessen Rand ergeben sich schöne Ausblicke hinunter auf die Oberhornalp und talauswärts auf den Schwarzen Mönch und die Jungfrau, taleinwärts auf die hohen Moränen und glattgeschliffenen mächtigen Felsen, welche der sich zurückziehende Breithorngletscher freiglegt hat und natürlich auf unsere kleine Gruppe am See.

Sehen wir nicht recht! Wer steht in den Badehosen am Seeufer, wer taucht hinein in das sehr kalte Nass ( uns anderen genügte ein kurzes Fussbad)? Es ist natürlich Adrian !
Er wird gebührend bewundert! Es ist so heiss hier, dass er ohne weiteres in den Badehosen bleiben kann. Dies gibt dann Gelegenheit, ihn nochmals in Pose mit der schon fast obligaten Apfelwähe zu fotographieren. Die gute Apfelwähe mundet natürlich allen sehr und wird auch sehr geschätzt. Etwas später gibt es nochmals eine Badeeinlage, dieses Mal von Adrian und Toni.
Wir bleiben bis 16.00 am See. Wir sitzen am Ufer oder wandern mit der Kamera auf den uns umgebenden Hügeln herum, um ein neues Sujet zu finden, was natürlich in dieser grossartigen Landschaft kein Problem ist. Mir gelingt erstmals eine Aufnahme eines Schmetterlings auf einer Blume.
Nach 16.00 machen wir uns auf den Weg hinunter nach Schafsläger 1800m. Das sanfte Nachmittagslicht lässt einen beim Abstieg die malerische Landschaft noch besser wahrnehmen als beim Aufstieg.
Wir haben nun die grauen Felswände des Tschingelgrates und Ellstabhorns links vor uns; in den sich darunter fortsetzenden grünen Abhängen können wir den Wanderweg am Obersteinberg ausmachen. Vorne im Tal grüsst uns die allpräsente Jungfrau.
Wir überqueren auf einer soliden Brücke die mächtige rauschende Tschingel Lütschine, die von den Bächen des Tschingelgletschers gespeist wird. Welch eine wilde und urtümliche Berglandschaft !
Der Blick zurück ist sehr beindruckend.
Vom Wanderweg am steilen Hang sehen wir hinunter in die Schlucht, die sich die Lütschine in Jahrtausenden gegraben hat und hinüber auf die Schmadribach Wasserfälle und die weiss – graue Bergkette mit all ihren Hörnern. Hier gelingt mir ein tolles Gruppenbild.
Ein weiteres folgt beim Berggasthaus Obersteinberg,1778m, wo wir einkehren, um unseren grossen Durst zu löschen. Wir geniessen hier die letzten Sonnenstrahlen, bevor wir weiter marschieren und allmählich in den Schatten tauchen, in welchen unser Zielort, das Berghotel Tschingelhorn bereits liegt. Um 18.00 sind wir dort und können die Zimmer, respektive das Massenlager beziehen. Wir sind hier nicht die einzigen Gäste, es gibt also eine sehr lange Schlange vor den zwei Duschen !

Die Tische in der grossen Laube des Hauses sind schön gedeckt und das Essen ist gut. Es gibt Suppe, Salat, Hauptspeise und Dessert.
Während des langen Essens gehe ich hinaus, um die Abendstimmung zu geniessen. Die Berge sind in rötlich–gelbes Licht getaucht. Gegen 20.30 ist dieses Schauspiel vorbei und bald wölbt sich ein dunkelblauer Himmel voller Sterne über uns – die Berge sind dunkle Schatten geworden.
Dies war ein schöner, erlebnisreicher Tag!
Müde schlüpfen wir in unsere Schlafsäcke und unter die Duvets.
Morgen geht es weiter.
Marianne
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